Schlaf

Der Schlaf wird vollkommen überbewertet.
Ich habe wie die meisten diesen Satz allzu oft gehört und auch schon selbst ausgesprochen. Jetzt weiß ich es aber wirklich besser.
Die Nacht ist zur Erholung, zur Verarbeitung von Ereignissen da, zum Wachstum der Zellen dank Ausschüttung der körpereigenen Wachstumshormone. Aber: Diese Hormone werden auch nur dann ausgeschüttet, wenn wir uns ausreichend bewegt und richtig ernährt haben. Alles passiert nachts. Hierzu brauchen wir Tiefschlafphasen, mindestens 2 Stück, um erholt und neu aufgebaut aus der Nacht zu kommen. Leichtschlafphasen sind häufig mit Träumen verbunden, das ist oft schön, aber wenig erholsam.

Der Geist ist dabei sehr rege und beeinflusst den gesamten Organismus. Es gibt wenige Menschen, die nachgewiesenermaßen auch ihre Träume direkt beeinflussen können. Das hat man sich zu nutze gemacht, um beispielsweise einen Trainingseffekt im Schlaf zu erproben. Das ist kein Witz. Fit im Schlaf. Das geht? Ja, wenn du dir z.B. intensiv vorstellst, wie du auf die Teilnahme bei Olympia im 400m-Lauf trainierst. Du denkst dir, wie die Post kommt und dir die Qualifikationsurkunde in die Hände fällt. Dann spürst du es förmlich. Immer wieder schläfst du mit dem Gedanken ein. Bedingung ist, du bist schon einmal die 400m Rund gelaufen, um zu wissen, wie sich das anfühlt (außerdem brauchen wir deine Laufzeit als Startpunkt). Nach 8 Wochen Traumtraining, bewusst oder unbewusst – oft bleiben die Träume nicht hängen und lassen sich nicht wiedergeben – gehst du wieder auf die Piste und stellst dir wieder deinen Traum vor. Und hopp, Zeit messen. Was meinst du wird passieren, ganz ohne extra Training wohlgemerkt? Ein Wunder. Die Zeit wird sich verbessert haben, und zwar erheblich. Wie konnte das passieren? Im Schlaf wird unser Kreislauf ebenso aktiviert und unterliegt ebenso dem Trainingseffekt. Beim Laufen wird zwar viel Kraft benötigt, aber auch viel Ausdauer. Die Muskeln wachsen im Schlaf und der Impuls wird durch Hormone gegeben. Diese können durch Bewegung selbst induziert werden, aber eben auch durch unsere Vorstellungskraft. Denk dich gesund. 
Auch hier können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Die Tiefschlafphasen sind häufig nicht von langer Dauer. Aus meiner Erfahrung als Narkosearzt habe ich erkannt, dass selbst kurze sehr tiefe Schlafphasen unheimlich erholsam sein können. Durch Medikamente beeinflusst man hierbei die Tiefe des Schlafes. Dieser Dornröschenschlaf ist offensichtlich sehr erholsam, denn Patienten beschreiben regelmäßig, sie hätten das Gefühl eine Woche lang geschlafen zu haben. Oft können sie deshalb auch die erste Nacht danach gar nicht richtig durchschlafen. Wer vollkommen ausgeschlafen ist, der kann sich nicht zu weiterer Erholung zwingen.
Ein Extrembeispiel verdeutlicht dieses Prinzip. Michael Jackson war von einem Narkosemittel abhängig. Abgesehen von dem unglücklichen Umstand, dass jede Narkose einer Überwachung bedarf, die in dem Fall nicht gegeben war, hat der Superstar durch den hohen Stress die Entspannung und den Schlaf auf einmal erhalten. Der kurze Tiefschlaf bringt Erholung und schafft Raum für Kreativität. Jeder Fehlgebrauch von Medikamenten hat jedoch ein hohes Risiko zu Abhängigkeit und körperlichen sowie geistigen Schaden.
Wenn wir uns jetzt festlegen müssten, wie lange unser Schlaf sein sollte, dann ergeben sich ziemlich genau folgende Bewertungsmaßstäbe:
8 Stunden = sehr gut,
7 1/2 Stunden = gut,
7 Stunden = befriedigend,
6 1/2 Stunden = ausreichend,
6 Stunden = unzureichend.
Warum habe ich so krumme Werte gewählt? Es zeigt sich, daß wenn wir zum Beispiel die 7 Stunden Marke anvisieren, meist etwas drunter geblieben wird. Dann zählt nur die niedrigere Stufe. Hier dürfen wir uns nicht selbst auf den Arm nehmen und ehrlich sein. Nur dann können wir eine echte Verbesserung eintreten lassen. 6 1/2 Stunden mögen ausreichend sein, um Monate gut durchzukommen ohne krank zu werden, wenn der Rest stimmt. Aber wenn wir regelmäßig 6 1/4 Stunden oder weniger schlafen, dann werden wir auch nicht mehr die Schlafphasen erreichen, die uns die notwendige Regeneration bieten, um so einen aktiven Tag zu absolvieren. Wer also am Sonntag einen Tatort im Fernsehen schauen will, bitte. Wer aber danach noch weiter konsumiert und morgens früh aufstehen muss, der wird sich nach wenigen Wochen oder vielleicht auch Tagen mal an die Nase fassen müssen und feststellen, daß plötzlich andere Lebensbereiche auch von einem Potentialabfall betroffen sind. Die Konzentration wird nämlich nachlassen, auch die Lust auf Liebe und die sportliche Leistungsfähigkeit. Das darf nicht unser Ziel sein. Es gibt mal Tage, da geht es nicht anders. Dann muß ich das unbedingt an anderer Stelle kompensieren. Ich behalte damit immer die Kontrolle und gebe sie nicht außer Hand.
Diese ermittelten Werte wollen wir uns als Schulnoten von 1-5 für unsere Potentialermittlung merken, denn die meisten Menschen haben hier viel Potential, der ausgebaut werden kann!
Wenn du dich noch exakter mit deinem Schlaf beschäftigen willst, dann nutze einen Schlaftracker. Das sind Geräte oder Applikationen, die die Tiefe deiner Schlafphasen annähernd messen, indem sie entweder die Bewegungsmuster im Schlaf analysieren oder die Geräuschkulisse. Das ersetzt natürlich kein EEG im Schlaflabor, dennoch kann es wertvolle Hinweise auf die Phasenabläufe und deren Länge geben, insbesondere bei längeren Messabschnitten. Nicht selten können gewisse Applikationen auch die Weckphase nach den ermittelten Abschnitten regeln. Wenn du also um 6 Aufstehen musst, dann könnte eine Phase um viertel vor 6 gerade so günstig oberflächlich liegen, dass dich der Wecker nur noch sanft antippen muss, und schon bist du klar und wach, zufrieden und vital. Und zudem hast du gleich mehr vom Tag!
Vielleicht hast du schon eine eigene Morgenroutine entwickelt. Dann haben sich deine Schlafphasen längst deiner Routine angepasst. Meine REM-Phase findet tatsächlich mittlerweile kurz vor der eingestellten Weckzeit statt. Erstaunlich, wie wir uns nach wenigen Monaten umstellen können. Probiere es aus, das geht schneller, als du glaubst!

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