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Wie dieser Spruch diesmal sitzt, unfassbar. Dieses 2020 wollen die meisten schnell hinter sich lassen. Zu recht, darf man meinen. Ich aber nicht, ohne ein paar wichtige Gedanken daran zu verlieren, denn es war ein bemerkenswertes Jahr für mich und meine nähere Umwelt.

2020 sind wir in ein kleines Abenteuer gezogen, weg von der sicheren Anstellung und der vertrauten Umgebung in Deutschland. Wir wollten einen nächsten Schritt wagen, bevor die Kinder zu sehr an ihrem Umfeld hängen und wir Erwachsene ein Alter der passiven Bequemlichkeit erreichen. Es heisst: nur ein Baum der wächst, stirbt nicht.
Warum sollte ich bis zur Rente warten, um nach Spanien zu ziehen, wo die Lebensqualität nachweisbar deutlich höher als in Mitteleuropa ist? Ich kann doch hier gleich arbeiten und gleichzeitig die Kinder in einer multikulturellen Umgebung aufwachsen sehen. Vor allem sehe ich sie dabei auch. Ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Jetzt könnten wir annehmen, dass 2020 ein mieses Jahr für so eine Aktion war. Tatsächlich hat uns COVID19 ein paar Monate mit Gewalt zurückgeworfen. Es heisst jedoch, dass man an manchen Tagen gewinnt und an anderen Tagen lernt. So gab es in diesem Jahr viel zu lernen. Das macht uns keiner so schnell nach.
Aus einem Angestelltenverhältnis in eine Selbständigkeit zu tauchen, wäre in so einem Jahr allerdings schwer geworden. Es war daher klug vorzusorgen. Gleichzeitig danke ich der Firma MEDGATE in der Schweiz, dass sie mir im Jahr davor als Telemediziner aufgenommen hatte, denn so war es mir möglich im echten spanischen Lockdown im März 2020 unter Volllast als Arzt von daheim tätig zu sein und z.B. zahlreiche COVID Fälle aus sicherer Distanz in der Schweiz zu betreuen und zu behandeln.

Als die erste Welle vorbei war, konnte ich dort weitermachen, wo ich im Februar aufgehört hatte und so gewann ich meine ersten Verträge mit verschiedenen Kliniken die im Verlauf des Jahres Früchte trugen. Mein Spanisch und das aller Familienmitglieder wird jeden Tag besser, hierfür dürfen wir u.a. auch meiner tollen Schwester in Athen dankbar sein, die als Profi unsere Familie mit regelmässigem Unterricht unterstützt. Es gibt tolle Freizeitmöglichkeiten wenige Minuten von Daheim entfernt, die Kinder geniessen viele neue Freundschaften und selbst die Schule bietet tolle Möglichkeiten, um sich weiter zu entwickeln.

COVID hat polarisiert. Beim Militär habe ich die “Freund- und Feinderkennung” üben müssen, in diesem Jahr war das durch die täglichen Themen und die sozialen Medien für alle offenbart worden. Auf der einen Seite enttäuschend, wen man alles auf seiner Seite wähnte, überraschend jedoch, wen man dazu gewann.
Am Ende haben wir unser soziales Gefüge doch nur stabilisiert, oder sehe ich das falsch? Es hatte also etwas Positives, dieses Jahr. Denn wir können nur gestärkt in ein spannendes 2021 gehen, mit einer bevorstehenden Impfung, einer Gesellschaft, die zusammenwachsen muss und sich respektvoll achten muss, um zu überleben.

Es braucht also keine Aliens aus dem All, wir haben als Menschheit konkrete Probleme, die wir nur gemeinsam lösen können. Ich freue mich drauf, dies zu erleben. Und ihr so?